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Nordstau - auf der Strasse und in der Luft

29 mai 2019, 3 Commentaire(s)
Thèmes: Météo

Während „meteorologisch“ betrachtet der Nordstau bzw. die Feuchtezufuhr aus Norden im Tagesverlauf langsam abnahm, kam „verkehrstechnisch“ der Nordstau am Gotthard im Tagesverlauf erst so richtig in die Gänge.

Blick von der Obhegkapelle am Rossberg [SZ] zu Haggenspitz und Mythen. Bild: D. Gerstgrasser
Blick von der Obhegkapelle am Rossberg [SZ] zu Haggenspitz und Mythen. Bild: D. Gerstgrasser

Nordüberdruck

Der Alpenraum lag heute zwischen einem von der Biskaya bis nach Dänemark reichenden Hochdruckkeil und einem Tiefdruckgebiet über Italien. Daraus resultierte im Schweizer Alpenraum ein Nordüberdruck bis rund 10 hPa und folglich wurde die feuchte Luft an den Alpennordhang gedrängt, wo sie gestaut wurde.

Thermischer Störenfried

Der heutige Tag ist ein Paradebeispiel, dass wir bei der Wetteranalyse uns nicht allein auf die Bodendruckverteilung verlassen dürfen. Den Störenfried des heutigen Wetters finden wir in der mittleren Atmosphäre, wo ein thermischer Trog nur langsam nach Osten schwenkte. Ein thermischer Trog markiert eine Zone mit sehr kalter Luft in der Höhe, welcher eine labile Schichtung der Atmosphäre verursacht.

Die Folge waren heute v.a. in der Zentral- und Ostschweiz Schauer, am frühen Nachmittag entluden sich in der Ostschweiz sogar kurze Gewitter. Besagte Gewitter bildeten sich überraschend, zeigte doch die Mittagsradiosondierung von Payerne eine Inversion in rund 3300 Meter Höhe (ca. 700 hPa), einen Vorboten der beginnenden Stabilisierung und des Hochaufbaus im Alpenraum. Vermutlich haben ein ideales Zusammenspiel lokaler Konvergenzeffekte und etwas Besonnung, sprich weitere Labilisierung der untersten Luftschicht, besagte kurzlebige Gewitter ausgelöst.  

Im Tagesverlauf dehnte sich der Hochdruckkeil weiter nach Mitteleuropa aus, entsprechend nahm der Nordüberdruck und damit der Stau am Alpennordhang im Verlauf des Nachmittages langsam ab.

Völlig konträr zur meteorologischen Stausituation am Alpennordhang entwickelte sich die Staulage am Gotthard-Nordportal. Bereits am frühen Morgen stauten sich der Verkehr auf rund 2 km Länge. Die Staulänge nahm im Tagesverlauf sukzessive bis rund 10 km zu.

Doch zurück zum Wetter:

Am meisten Sonne im Süden

Erwartungsgemäss präsentierte sich uns heute die Besonnung auf der Alpennordseite: Gegen Westen hin war die Sonne teils 2-4 Stunden zu sehen, im Osten blieb sie mit 0-1 Stunden ein seltener Gast. Direkt im Stau am Alpennordhang war es den gesamten Tag stark bewölkt.

Im Tessin schien die Sonne mit 5-9 Stunden länger als ursprünglich erwartet. Die von den Wettermodellen simulierte mittelhohe Wolkenschicht lockerte sich pünktlich zum Morgen weitgehend auf bzw. war weniger dicht als vorgesehen. Bei Tageshöchstwerten um 22 Grad wehte der Nordwind mit rund 50 km/h durch die Täler.

Commentaires (3)

  1. Peter Sager, 29.05.2019, 21:11

    Hoch Ybrig viel Schnee bis 1400 Meter runter.
    https://www.hoch-ybrig.ch/winter/gebiet/webcams/
    Noch 14 Pässe Wintersperre und schon in 2 Tagen ist Juni.
    Das Wetter neigt sich dem max. Tiefpunkt zu.

    1. Heinz F., 30.05.2019, 09:03

      Es ist m.E. aber auch botanisch bemerkenswert. Gestern sah ich auf dem Weissenstein bei Solothurn (1390 m.ü.M.) gleichzeitig Zwergenzian, Schlüsselblumen und Knabenkräuter in voller Blüte. M.W. sollten doch zuerst die Schlüsselblumen und erst später die Knabenkräuter blühen (ich lasse mich gerne korrigieren). Aber es war schön!

    2. Ursula, 30.05.2019, 18:55

      ich glaube wir werden noch mehr solche Überraschungen erleben; bin gerade in Sardinien da gibt es fast reifes Heu und noch blühender Weissdorn wenig höher Bäume die noch nicht ganz „im Laub sind“ Die Sardi sagen: „ha cambiato il clima, piove in Africa e piove in Sardegna“