Update vom 23.12., 22 Uhr: Viel Neuschnee an Heilig Abend!
Die für den 24. Dezember seit langem angekündigte Kaltfront trifft pünktlich ein. Die Niederschläge dürften an Heilig Abend etwa um die Mittagszeit im Flachland in Schnee übergehen. Etwas länger dauert es an den Voralpen und in den Alpentälern, da dort die kältere Luft etwas verzögert einsickert.
In den darauffolgenden 24 Stunden werden Niederschlagsmengen von 15-25 mm (Liter pro Quadratmeter) erwartet. In Form von Schnee dürften im zentralen und östlichen Mittelland sowie am Alpennordhang gesamthaft 10-20 cm zusammenkommen, etwas weniger in der Westschweiz und inneralpin. Trocken bleibt es mit Nordwind auf der Alpensüdseite.
Am Weihnachtstag sowie am Stephanstag steigen die Temperaturen nicht mehr über Null Grad. Somit kann der Pulverschnee in vollen Zügen genossen werden!
Ausserordentlich strenger Winterbeginn
Die Vorbedingungen für ein weisses Weihnachtsfest sind in diesem Jahr so gut wie noch selten. Seit Ende November wird Mitteleuropa regelmässig von Wintereinbrüchen heimgesucht. Dies hatte verbreitet starke Schneefälle, eisige Temperaturen sowie ein Verkehrschaos zur Folge.
Nur der Samichlaus musste seine Gaben in den Gummistiefeln austragen. Ein Warmlufteinbruch schmolz den Schnee im Flachland in Rekordzeit wieder weg. (Tauwetter zum Chlaustag).
Aber wie sieht es auf Weihnachten aus? Hat uns der Winter weiterhin fest im Griff?
Hochwinterliche 3. Adventswoche
In der 3. Adventswoche bestimmen erneut arktische Luftmassen unser Wettergeschehen. Es bleibt auch tagsüber frostig kalt und häufige Schneefälle fordern Strassendienste und Verkehrsteilnehmer weiterhin zu einer Geduldsprobe heraus. Besonders in der Nacht auf Freitag und am Freitag Vormittag ist mit schwierigen Strassenverhältnissen zu rechnen. Gefahren!
Bild 2: Mittwoch, 15. Dezember 06 UTC: Auf der Ostflanke eines kräftigen Hochs über dem Nordmeer fliesst aus Norden Polarluft gegen den Alpenraum. Dargestellt sind die 2 Meter Temperaturen (Isoflächen blau: < 0 Grad, weiss 0 Grad und grün/gelb: >0 Grad), der Luftdruck (Isobaren) sowie das Stationswetter.
gross.png, 379 KBVerfrühtes Weihnachtstauwetter - massiver Warmlufteinbruch in der 4. Adventwoche
Aufkommender West- bis Südwestwind und der Föhn in den Alpentälern sorgten ab Sonntag, 20. Dezember 2010 für eine markante Erwärmung. Diese war zuerst in den Bergen spürbar, nach und nach wurde die bodennahe Kaltluft im Norden aber überall ausgeräumt. Einzig auf der vom Westwind geschützten Alpensüdseite, im Oberwallis sowie im Engadin blieb vorerst noch ein Kaltluftpolster erhalten (s. Bild 3).
Bild 4: Temperaturverteilung (Zahlen) und Windverhältnisse auf 3000 m (Pfeile) am Montagmittag (20.12) über Mitteleuropa. Das Westwindband (rote Pfeile) markiert den Übergangsbereich von der Warmluft zur Kaltluft.
gross.png, 191 KBDie eigentliche Winterkälte hat sich mehrere 100 km nach Norden verschoben (s. Bild 4). In der Schweiz wurde die Schneedecke in den tiefen Lagen arg dezimiert. Von den ursprünglich liegenden 20 bis 30 cm waren im Mittelland am Montagmorgen (20.12.) lediglich noch wenige cm Schnee übrig, in Teilen der Westschweiz, in Basel und in Delémont war es bereits aper. Einzig in Hallau/SG lagen noch 25 cm Schnee.
Bild 5 bis 8: 4-tägige Chronologie des verfrühten Weihnachtstauwetters in Zürich. In den letzten zwei Bildern (19. und 20. Dezember 2010; jeweils mittags) sind die Auswirkungen des markanten Warmlufteinbruchs gut erkennbar.
gross.jpg, 164 KBHohe Wahrscheinlichkeit für Schneefall an Heiligabend
Im Laufe des Dienstags (21.12.) kommt über den Alpen erneut Föhn auf, am Mittwoch weht er in den Alpentälern stark bis stürmisch. In den klassischen Föhntälern sind dabei am Mittwoch Temperaturen von 15 Grad möglich. Im Laufe des Donnerstags (23.12) geht die Föhnlage allmählich zu Ende, und aus Westen kommt Niederschlag auf.
In der Folge fliesst aus West bis Nordwest sukzessive kältere Luft ein und es fallen weitere Niederschläge. Momentan gehen wir davon aus, dass die Schneefallgrenze auf der Alpennordseite im Laufe des Heiligabends (Freitag, 24.12.) bis in tiefe Lagen sinkt. Auf das verfrühte Weihnachtstauwetter dürften also ein paar winterliche Weihnachtstage folgen. Vermutlich ist der Wintereinbruch im Flachland aber nicht nachhaltig, die Mittelfristprognosen zeigen nach den Feiertagen eine hohe Wahrscheinlichkeit für Westwindwetter mit der Zufuhr von milden Luftmassen atlantischen Ursprungs.
Singularität Weihnachtstauwetter
In der Meteorologie nennt man Wetterlagen die mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit zu einem bestimmten Datum auftreten, Singularitäten. Eine solche Singularität ist auch das allgemein gefürchtete Weihnachtstauwetter.
Auch im Schweizerischen Mittelland sind grüne Weihnachten häufiger als weisse. So lag in Bern in den vergangenen 79 Jahren nur in 42 %, in Zürich nur in 43 % der Jahre an mindestens einem der Weihnachtstage mindestens 1 cm Schnee. Wirklich weisse Weihnachten mit Schnee an allen drei Weihnachtstagen gab es in Bern und in Zürich in lediglich 25 % der Jahre.

















