Bild 1: Bodenwetterkarte mit Fronten vom Samstag, 23. Mai 2009, 12 UTC. Die Bodendruckverteilung ist flach, in der Schweiz beträgt der Luftdruck etwa 1015 Hektopascal. Das flache Tief über West- und Südwesteuropa schaufelt sehr warme Mittelmeerluft zum Alpenraum.
gross.png, 309 KBBild 2: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5700 m) vom Samstag, 23. Mai 2008, 12 UTC. In dieser Höhe ist ein ausgeprägter Hochdruckrücken erkennbar, welcher sich vom Mittelmeer über Frankreich bis zur Schweiz und nach Westösterreich erstreckt.
gross.png, 250 KBBild 3: 48-stündige Rückwärtstrajektorien (Luftmassenherkunft) für die Höhen 1500 Meter (rot), 3000 Meter (blau) und 5500 Meter (grün) für den Flughafen Zürich-Kloten. Innert 48 Stunden gelangten die warmen Luftmassen von Tunesien und der Algerischen Sahara über das Mittelmeer zur Schweiz (Quelle: NOAA Hysplit Model).
gross.gif, 44 KBHohe Morgentemperaturen, vor allem in den höheren Lagen
Die warme Luftmasse sorgte in der Nacht von Samstag auf den Sonntag vor allem an den erhöhten Stationen für sehr hohe Temperaturen. An vielen Standorten wurde die höchste Morgentemperatur für den Monat Mai seit Messbeginn registriert: So ist beispielsweise auf dem Gütsch ob Andermatt die Temperatur in der Nacht nicht unter 10.1 Grad gesunken. Damit wurde der bisherige Rekordwert aus dem Jahre 2005 um 2.3 Grad überboten. An der Station Vaduz wurde eine sogenannte Tropennacht (Nachttemperatur nicht unter 20 Grad sinkend) nur knapp verpasst, am Morgen zeigte das Thermometer 19.3 Grad.
Bild 4: Kamerabild Gütsch ob Andermatt, Sonntag, 24. Mai 2009, mittags. Aufgrund der hohen Nachttemperaturen gefriert der Altschnee nachts kaum noch. Mit der starken Sonneneinstrahlung und der ausgesprochen warmen Luftmasse ergeben sich tagsüber dann hohe Schmelzraten.
gross.jpg, 410 KBÜber 30 Grad in den Niederungen, Nullgradgrenze auf 4100 Metern
Nachdem am Samstag die Temperaturen zumindest im Wallis teilweise auf über 30 Grad gestiegen waren, kletterten die Temperaturen am Sonntag verbreitet auf 30 Grad oder mehr (siehe Bild 5). Der höchste Wert wurde in Genf mit 33.8 Grad gemessen. Der bisherige Rekord an dieser Station stammte mit 32 Grad aus dem Jahr 1906 (Messreihe seit 1901). Aber auch an Gebirgsstationen wurden hohe Temperaturen verzeichnet. Auf dem La Dôle wurde der bisherige Mai-Rekord beispielsweise um 1.7 Grad überboten, An vielen Stationen wurden die höchsten Mai-Temperaturen seit Messbeginn registriert.
Diese hohen Temperaturen sind für den Monat Mai aussergewöhnlich. Die Tagesmitteltemperatur liegt vor allem an den Stationen in mittleren Höhenlagen (1500-2500m) 10-12°, an den anderen Stationen 8-11° über der Norm.
Neue Mai Rekordwerte am Montag, 25. Mai 2009
Auf Montag, 25.5.09, verlagerte sich der Höhenrücken über Mitteleuropa etwas nach Osten. Die Höhenwinde drehten von West auf Südwest. Diese Wetterentwicklung ist recht typisch für Hitzephasen. Während in solchen Fällen die Temperaturen im Mittelland und auf den höheren Berglagen nicht mehr wesentlich ansteigen oder sogar leicht zurückgehen, wird es in einigen Alpentälern wegen der Föhntendenz noch heisser.
Sehr heiss war es mit 35.1 Grad in Sion, wobei der Föhn an der hohen Lufttemperatur mitwirkte. Die gemessenen 35.1 Grad bedeuten einen neuen Temperarekord für den Monat Mai an dieser Station. Der bisherige Höchstwert wurde mit 32.7 Grad im Mai 1969 erzielt. Der absolute Hitzerekord wurde in Sion am 12. August 2003 mit 37.2 aufgestellt, gefolgt vom 27. Juli 1983 mit 36.6 Grad.
In Chur, wo ebenfalls ein leichter Föhn wehte, zeigte das Thermometer am Nachmittag aussergewöhnliche 34.1 Grad an. Damit wurde der bisherige Rekordwert von gestern um fast 2 Grad überboten. Wenn man in frühere Jahre zurückblickt, findet man für den Monat Mai als nächsthöheren Wert 32.2 Grad im Jahre 2005, gefolgt vom Mai 1969, als das Thermometer 32.1 Grad anzeigte. Der absolute Hitzerekord in Chur datiert vom 28. Juli 1983, als ebenfalls mit Föhn, brütendheisse 37.5 Grad verzeichnet wurden. Höchsttemperaturen werden in Chur fast immer im Zusammenhang mit dem Föhn erzielt. Eine Ausnahme war der 13. August 2003, als 37.1 Grad gemessen wurde. Damals lag ein ausgedehnter Höhenrücken über Süd- und Mitteleuropa, und in der Höhe wehte ein schwacher Westwind.
Auch Glarus erreichte mit 32.6 Grad ein extrem hoher Maiwert, wobei dort der Föhn nicht mitwirkte. Der bisherige Höchstwert für den Monat Mai wurde im Jahre 1967 mit 31.5 Grad erreicht. Das absolute Maximum liegt bei 35.6 Grad. Dieser Wert wurde zweimal erreicht., nämlich am 11. Juli 1984 mit Föhn sowie am 13. August 2003.
Im Mittelland war es - wie gestern schon - ausgsprochen heiss für die Jaheszeit. Die Höchstwerte von gestern wurden an einigen Station überboten, während es an einigen Orten heute etwas weniger heiss war. In Genf, wo es gestern mit 33.8 Grad extrem heiss für den Monat Mai war, zeigte das Thermomter heute mit „nur“ 31.8 Grad einen etwas tieferen Wert an. Demgegenüber war es im zentralen und östlichen Mittelland mit rund 32 Grad etwa 1 Grad heisser als gestern.
In den Niederungen des Tessins wurden rund 31 Grad gemessen, was ebenfalls rund 1 Grad höher ist als gestern. Locarno-Monti hatte heute einen Höchstwert von 31.0 Grad, was sehr nahe an den bisherigen Maihöchstwert von 31.2 Grad im Jahre 2001 herankommt. Der absolute Höchstwert wurde am 11. August 2003 mit 37.9 Grad bei leichter Nordföhntendenz erreicht. Auch der nächsthöchste Wert von 37.3 Grad, welcher am 29. Juli 1983 erreicht wurde, trat im Zusammenhang mit Nordwind auf.
Wenn man die Höhenwinde betrachtet, so treten Hitzerekorde bei folgenden Höhenwindrichtungen auf:
Mittelland , Jura, höhere Lagen der Alpen und inneralpine Täler: Westwind oder Westsüdwestwind
(Beispiele: 29.7.1947, 13.8.2003, 31.7.1983)
Föhntäler bis etwa 1200 Meter Höhe: Süd- bis Südwestwind.
(Beispiele: 2.7. 1905, 5.7.1952, 27. und 28.7. 1983)
Alpensüdseite, alpenkammnahe Lagen: West- bis Westnordwestwind
(Beispiele 3.7.1905, 23.7.1983)
Alpensüdseite, tiefere Lagen: Nordwest- oder Westnordwestwind:
Beispiele: (23.7.1945, 11.8.2003)
Höhenwinde aus den Sektoren Nord, Nordost, Ost und Südost bringen keine Rekordtemperaturen. Der Grund liegt darin, dass dann das Zentrum des Höhenhoch etwa auf gleicher Höhe der Schweiz oder im Falle mit östlicher Komponente des Höhenwindes sogar nördlicher liegt als die Schweiz. Solche Höhenhochs können aber aufgrund der Breitenlage maximal nicht so warm sein wie diejenigen, welche ihr Zentrum südlich der Alpen haben.






