Nach dem Sturmtief Joachim vom 16. Dezember 2011 kündigt sich am Donnerstag 5. Januar 2012 ein weiteres Sturmtief mit dem Namen Andrea an. Im Jahr 2012 erhalten Tiefdruckgebiete weibliche Namen, nachdem im vergangenen Jahr die männlichen Namen an der Reihe waren.
Während Joachim mit einem Kerndruck von 963.8 Hektopascal über Braunschweig in Norddeutschland ostwärts zog, wird Andrea am Donnerstagmittag mit einem Kerndruck von etwas unter 965 Hektopascal über dem Skagerak und der Nordspitze Dänemarks und später unter Auffüllung über der Ostsee erwartet (Bild 1 bis 3).
Bild 2: Bodendruck und Wind auf ca. 1500 m am Donnerstag, 5. Januar 2012 um 13 Uhr.
gross.png, 711 KBErwartete Windspitzen
Im Flachland der Alpennordseite werden um die Mittagszeit oder am Nachmittag recht verbreitet Böenspitzen von 80 bis 110 km/h, in leicht erhöhten Lagen bis 120 km/h und auf den Jurahöhen bis 140 km/h aus Südwest bis West erwartet. In den nördlichen Alpentälern kommt zwar anfangs noch eine leichte Föhntendenz auf, der Wind wird dort aber wahrscheinlich erst gegen Abend mit der Kaltfront und dem damit verbundenen Druckanstieg stürmisch auffrischen, und zwar aus West bis Nordwest. In den Bergen werden in Kamm- und Gipfellagen am Donnerstag und Freitag recht verbreitet Böenspitzen von 140 bis 170 km/h, vereinzelt bis 180 km/h aus West bis Nordwest erwartet. Die stärksten Böen werden hier zwischen Donnerstag- und Freitagmittag auftreten.
Bild 4: Lage des Jetstreams (Starkwindband in einer Höhe von etwa 9 km) am Freitag, 6. Januar 2012, 1 Uhr. Windangaben in Knoten, rot=150 kt Mittelwind, dies entspricht etwa 280 km/h.
gross.png, 453 KBAuf der Rückseite des Sturmtiefs stellt sich am Freitag im Alpenraum eine starke Nordstaulage ein (Bild 4). Dabei werden dann auch im Süden stürmisch auffrischende Nordwinde bis in die Niederungen erwartet.
Bild 5: Auf der Luftmassenkarte auf ca. 1500 m ist am Donnerstagmittag ein keilförmiger Warmlufteinschub (okkludierendes Frontensystem) nordwestlich der Schweiz zu erkennen.
gross.png, 167 KBKurzer Warmlufteinschub
Mit dem neuen Sturmtief Andrea verbunden ist auch ein aktives Störungssystem mit viel feuchter Luft. Dabei wird tagsüber mit einer Warmfront zuerst mildere, gegen Abend aus Nordwesten aber rasch wieder kältere Meeresluft gegen die Alpennordseite und die Alpen geführt (Bild 5). Die Schneefallgrenze liegt bei Niederschlagsbeginn bei etwa 700 Metern und steigt im Laufe des Donnerstags vor allem gegen Westen hin auf rund 1100 Meter an, bevor sie in der Nacht auf Freitag rasch bis in die Niederungen sinkt.
Bild 6: Prognostizierte 48-stündige Niederschlagsmengen des Prognosemodells COSMO7 von MeteoSchweiz. Die Niederschlagsmenge ist als Wasserwert im mm angegeben. Als Faustregel gilt: 10 mm Wasserwert entsprechen etwa 10 bis 15 cm Neuschnee.
gross.png, 83 KBErneut grosse Neuschneemengen in den Bergen
Zusammen mit der nachfolgenden Nordstaulage am Freitag werden in Alpen oberhalb von etwa 1200 Metern erneut grosse Neuschneemengen erwartet, und zwar zwischen Donnerstag- und Samstagmorgen recht verbreitet 60 bis 90 cm Neuschnee (Bild 6). Die stärksten Niederschläge dürften dabei zwischen Donnerstagnachmittag und Freitagvormittag fallen. Zusammen mit den stürmischen Winden wird damit die Lawinengefahr stark ansteigen. Einzig in den südlichen Schweizer Alpen gibt es weniger Neuschnee, aber ebenfalls Windverfrachtungen. Details zur aktuellen Schnee- und Lawinensituation sind auf der Internetseite des SLF-Davos zu finden.
Vergleich mit dem Sturmtief "Joachim" vom 16. Dezember 2011
Generell werden mit dem neuen Sturmtief Andrea ähnliche Auswirkungen wie mit dem Sturmtief Joachim erwartet, auch wenn einige Unterschiede bestehen. Im Flachland der Alpennordseite werden wegen der westlicheren Anströmungsrichtung etwas verbreiteter Sturmböen erwartet als bei Joachim. Auch in Kamm- und Gipfellagen werden diesmal Orkanböen aus West bis Nordwest wahrscheinlich verbreiteter und mit etwas höheren Spitzenwerten auftreten. Dagegen kommt im Vorfeld des Tiefs und der Störungen nur eine leichte Föhntendenz auf. Bei den erwarteten grossen Neuschneemengen in den Alpen dürfte bei Andrea das Schwergewicht auch wegen der Anströmungsrichtung nicht im nördlichen Wallis sondern am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in Bünden liegen.






