MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

20. August 2009 / Daniel Gerstgrasser, Stephan Bader, Thomas Schlegel

 

Späte Sommerhitze

 

Nachdem in der Nacht auf Dienstag, 18. August 2009 noch eine eher wenig aktive Kaltfront über die Schweiz hinweggezogen ist, wurde tagsüber aus Westen rasch wieder Hochdruckeinfluss wetterwirksam. Der Ausläufer des Azorenhochs ist in der Folge langsam über Deutschland hinweg nach Osten gezogen (siehe Bild 1 bis 3).

 

Bodendruckkarte mit Fronten von Montag, 17. August 2009, 12 UTC

Bild 1: Bodendruckkarte mit Fronten von Montag, 17. August 2009, 12 UTC.

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Bodendruckkarte mit Fronten von Dienstag, 18. August 2009, 12 UTC

Bild 2: Bodendruckkarte mit Fronten von Dienstag, 18. August 2009, 12 UTC.

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Bodendruckkarte mit Fronten von Mittwoch, 19. August 2009, 12 UTC

Bild 3: Bodendruckkarte mit Fronten von Mittwoch, 19. August 2009, 12 UTC.

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Bis am Donnerstagmittag (20. August) hat sich die Hochdruckzelle weiter ostwärts entfernt. Dadurch drehten die Höhenwinde auf Südwest, über den Alpen hat sich eine leichte Föhnströmung eingestellt.

 

96-stündige Rückwärtstrajektorie zur Bestimmung der Luftmassenherkunft

Bild 4: 96-stündige Rückwärtstrajektorie zur Bestimmung der Luftmassenherkunft. Weitere Erläuterungen im Text.

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Herkunft der Luftmasse

Die sehr warme Luftmasse gelangte in den höheren Schichten innert 4 Tagen aus dem Raum Südportugal bis Gibraltar zur Schweiz (s. Bild 4, grüne und blaue Kurve). In den unteren Schichten lag ihr Ursprung in der Biskaya (rote Kurve). Auf dem Weg in Richtung Alpen wurden die Luft einerseits durch die grossräumige Absinkbewegung im Hochdruckgebiet erwärmt, andererseits wurde die in Bodennähe ursprünglich maritime Luftmasse auf dem Weg zu uns zusätzlich auch von der ungehinderten Sonneneinstrahlung über dem Kontinent weiter aufgeheizt.

 

Vielerorts höchste Temperaturen des Jahres

Bereits am Dienstag, 18. August wurde die Hitzemarke von 30 Grad im Westen und Süden der Schweiz überschritten. Gegen Osten hin waren die Temperaturen noch etwas gedämpft, da die Gewitter der Vornacht feuchte Böden hinterlassen haben. Am Mittwoch (19. August) wurden in der ganzen Schweiz Temperaturen von deutlich über 30 Grad gemessen, am heissesten war es mit 35.5 Grad in Sion im Wallis. 

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Auf Donnerstag (20. August) stiegen die Temperaturen noch etwas an und es wurden vielerorts der heisseste Tag des laufenden Jahres registriert. In Genf stieg das Quecksilber auf 36.2 Grad - der neue Schweizer Jahreshöchstwert im Messnetz von MeteoSchweiz. Fast 35 Grad wurden in Mathod am Neuenburgersee, in Basel und in Chur gemessen (s. Bild 5).

 

An einigen Stationen, vor allem im Bereich der Voralpen wurden die Werte vom Mai 2009 jedoch nicht überboten, so zum Beispiel in Interlaken, Luzern, Altdorf und Glarus. Die bisher höchsten Temperaturen im laufenden Jahr stammen hier vom 24. und 25. Mai 2009 (Bericht zur Mai-Hitze).

 

Maximumtemperaturen von Donnerstag, 20. August 2009

Bild 5: Maximumtemperaturen von Donnerstag, 20. August 2009.

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Termin der Jahreshöchstwerte in Basel seit 1901. Die rote Linie zeigt den 20. August. Der graue Bereich umfasst die Tage ab dem 1. August.

Bild 6: Termin der Jahreshöchstwerte in Basel seit 1901. Die rote Linie zeigt den 20. August. Der graue Bereich umfasst die Tage ab dem 1. August.

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Seltenes Ereignis

Jahreshöchstwerte der Temperatur in der zweiten Augusthälfte sind selten. Dass ein Jahreshöchstwert gar am 20. August oder später registriert wurde, war an der Messstation Basel seit 1901 erst in 7 Jahren der Fall (Bild 6).

 

Anzahl Termine der Jahresmaxima pro Monatshälfte Juni bis August für die Messperiode 1901-2009.

Bild 7: Anzahl Termine der Jahresmaxima pro Monatshälfte Juni bis August für die Messperiode 1901-2009.

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Die höchsten Temperaturen werden in der Schweiz sowohl auf der Alpennordseite als auch auf der Alpensüdseite meist in der zweiten Julihälfte oder in der ersten Augusthälfte erreicht (Bild 7).

 

Anzahl aufgetretener Hitzetage pro Monatshälfte Juni bis August in der Messperiode 1981 bis 2008.

Bild 8: Anzahl aufgetretener Hitzetage pro Monatshälfte Juni bis August in der Messperiode 1981 bis 2008.

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In gleicher Weise treten in der zweiten Julihälfte und in der ersten Augusthälfte die meisten Hitzentage auf (Bild 8). Als Hitztage gelten jene mit einer maximalen Temperatur von 30 Grad oder mehr.

 

Warum werden die höchsten Temperaturen nicht zur Zeit des höchsten Sonnenstandes um den 21. Juni erreicht? Dies liegt daran, dass während der sommerlichen Erwärmungsphase die Landmassen, aber insbesondere auch die grossen Wassermassen, zunächst erwärmt werden müssen, bevor an deren Oberfläche die höchsten Temperaturen erreicht werden. Und diese Erwärmung benötigt Zeit. Vor allem dadurch, dass Wasser die Wärme langsamer aufnimmt und abgibt als das Land, tritt in vom Ozean beeinflussten Regionen eine Verspätung der Temperaturextrema ein. Dieser Effekt ist in der Schweiz deutlich spürbar, da unser Klima stark durch den nahen Atlantik bestimmt wird.

 

Angenehme Morgentemperaturen in den tiefen Lagen

Trotz der heissen Nachmittage gingen die Temperaturen in den tiefen Lagen des Mittellandes in der Nacht jeweils auf angenehme Werte zurück. Am Morgen wurden hier 14 bis 16 Grad gemessen, während der klaren Nächte hat sich jeweils ein ausgeprägter „Kaltluftsee“ gebildet. Dies vor allem aufgrund der bereits fortgeschrittenen Jahreszeit. Die Nächte sind am 20. August bereits um etwa 1.5 Stunden länger als am 20. Juli, im Vergleich zum 20. Juni sind es sogar 2 Stunden. Dementsprechend wurden stellenweise auch Morgennebelfelder beobachtet.

 

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Temperatur und Wind der Stationen in verschiedenen Höhen im Raum Zürich.

Bild 9: Temperatur- und Winddaten der Stationen in verschiedenen Höhen im Raum Zürich. Donnerstag, 20. August 2009, 6.20h.

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In den leicht erhöhten Lagen, auf den Hügelzügen des Mittellandes, im Churer Rheintal und auf der Alpensüdseite war diese Abkühlung deutlich weniger ausgeprägt. Vereinzelt wurden sogar Tropennächte registriert, das bedeutet dass hier das Nachminimum nicht unter 20 Grad gesunken ist.

 

Der angesprochene Kaltluftsee ist anhand der im Bild 9 eingetragenen Temperaturen aus dem Raum Zürich schön zu erkennen. So wurde am Donnerstagmorgen (20. August) um 6.20h auf dem Flugplatz Zürich Kloten eine Temperatur von 14.4 Grad gemessen, mit zunehmender Höhe stiegen die Werte bis auf 25 Grad auf dem Hörnli an.

 

Höchstwerte Europa 19.8.

In weiten Teilen von Mittel- und Südeuropa wurden hohe Temperaturen gemessen. Am 19. August stiegen die Werte in Südfrankreich punktuell gegen 40 Grad.

Höchstwerte Europa 20.8.

Die Zone sehr heisser Luft verlagerte sich am Donnerstag weiter ostwärts und erfasste Deutschland. Gleichzeitig erreichte kühlere Luft die westlichen Teile Frankreichs und den nordwestlichen Zipfel der Iberischen Halbinsel.

Tageswetterbulletin

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