23. Januar 2009 / Bernd Konantz, Daniel Gerstgrasser
Wetterlage
Bereits seit einigen Tagen liegt die Schweiz im Einflussbereich von einer markanten Westströmung. Dabei bildeten sich über dem Atlantik in rascher Folge Randtiefs, welche das Wetter in weiten Teilen des europäischen Kontinents beeinflussten. So ist im Laufe des Donnerstags (22. Januar 2009) über dem Atlantik etwa auf dem 48. Breitengrad eine sogenannte „offene Welle“ entstanden. Diese zog in der Folge rasch nach Osten und erreichte am Freitag, 23. Januar 2009 um 1 Uhr Lokalzeit die Südwestspitze Englands. Der Kerndruck ist dabei auf etwa 975 hPa abgesunken, siehe Abbildung 1.
Abbildung 1: EZMWF Analyse von 00 Uhr UTC, Jet und Bodendruckfeld. Das Randtief Joris liegt entwicklungsgünstig unter dem linken Ausgang des Jetstreams.
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Im Laufe des Freitags zog das Tief dann unter Verstärkung via Ärmelkanal zu den Benelux-Ländern. Der tiefste Kerndruck wurde um 10 Uhr Lokalzeit mit 962.7 Hektopascal auf einem Wetterschiff knapp östlich des Ärmelkanals gemessen. In der Folge hat sich das Randtief nur langsam aufgefüllt. Um 16 Uhr lag sein Zentrum mit einem Druck von 964 Hektopascal über den Niederlanden. Die Abbildungen 2 bis 7 zeigen die Zugbahn von Joris.
Wetterentwicklung in der Schweiz
Der Jura wurde bereits auf Vormittag vom Windfeld des Tiefs erfasst, mit dem einsetzenden Druckfall kam in den Alpentälern böiger Föhn auf. Die Schichtung der Atmosphäre war zunächst sehr stabil, da in den untersten Schichten noch ein Kaltluftsee vorhanden war. Dieser war dann auch in den Morgen- und Vormittagsstunden dafür verantwortlich, dass auf der Alpennordseite vielerorts vereisender Regen beobachtet wurde. Stellenweise fiel aber auch Schnee bis in tiefe Lagen, so zum Beispiel im Wallis.
Der Kaltluftsee wurde aber nach und nach wegerodiert, zudem sorgte die am Nachmittag eintreffende Kaltfront zusätzlich für eine Labilisierung der Luftmasse. Im Bereich der Kaltfront wurden auch einzelne Gewitter beobachtet. Somit frischte der Wind auch im Flachland markant auf, die Temperaturen stiegen kurzzeitig auf 8 bis 11 Grad. Im liechtensteinischen Vaduz sorgte der Föhn bereits im Laufe des Vormittags für eine Temperatur von 12.4 Grad.
Abbildung 10: Radarbild vom 23. Januar 2009, 16.30 UTC. Bereits die zweite Schauer- und Gewitterlinie des Tages überquert den Jura.
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Windbilanz (Stand 23. Januar 2009, 17.20 Uhr)
Der Föhn erreichte in den Alpentälern Böenspitzen von 90 (Walensee) bis 120 km/h (Urnersee). Von den föhnexponierten Gipfelstationen registrierte der Piz Martegnas oberhalb von Savognin mit 136 km/h den höchsten Wert.
Der West- bis Südwestwind erreichte auf dem Chasseral (1594m) im Jura mit 171 km/h seine grösste Spitze. Die übrigen Bergstationen meldeten Spitzenwerte von 120 bis gut 160 km/h. Im Flachland wurde in Cressier am Bielersee um 15.30 Uhr eine ungewöhnlich hohe Böenspitze von 155 km/h aufgezeichnet, kurze Zeit später waren es am Flugplatz Grenchen 121 km/h. Diese Windspitzen wurden wahrscheinlich von einer über den Jura ziehenden, kräftigen Schauer- und Gewitterlinie ausgelöst. Dadurch konnte der extrem starke Höhenwind leichter bis ins Flachland durchgreifen. Im übrigen Flachland lagen die Böenspitzen zwischen 70 und 115 km/h. Mit dem stark ansteigenden Luftdruck gab es auch in den Alpentälern Sturmwinde, die grösste Böenspitze wurde dabei mit 116 km/h am Brienzersee gemessen. Details dazu finden sie in Abbildung 11.
Abbildung 11: Böenspitzen in km/h vom 23. Januar 2009 (Stand 23.50h)
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Weiterer Ausblick
Abbildung 12 zeigt über dem Atlantik ein weiteres Randtief mit dem Namen "Klaus". Klaus erreicht Samstag Früh die französische Westküste und zieht bis Samstag Abend über Südfrankreich hinweg nach Italien. Auf seiner Rückseite kommt im Rhonetal kräftiger Mistral auf.
Abbildung 12: Satellitenbild östlicher Atlantik und Europa, Freitag 23. Januar 2009, 12 UTC
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