Von Gründonnerstag (9. April 2009) bis am Ostersonntag (12. April 2009) lag der Alpenraum auf der Vorderseite einer umfangreichen Tiefdruckzone, welche sich von Grossbritannien bis ins westliche Mittelmeer erstreckte (Bild 1 bis 3). Die dabei ausgelöste Föhnströmung war zwar nicht besonders stark, aber sie wies einige Besonderheiten auf, die im folgenden Beitrag etwas näher erläutert werden.
Wetterlage
Bild 1: Bodenwetterkarte mit Fronten, Donnerstag, 9. April 2009, mittags. Die Störung liegt noch weit im Westen, der aufkommende Föhn ist hochdruckbestimmt.
gross.png, 307 KBBild 2: Bodenwetterkarte mit Fronten, Freitag, 10. April 2009, mittags. Die Störung rückt näher, am Alpensüdhang setzt Stau ein.
gross.png, 304 KBBild 3: Bodenwetterkarte mit Fronten, Samstag, 11. April 2009, mittags. Die Störung liegt weitgehend stationär über Frankreich.
gross.png, 308 KBBereits am Gründonnerstag hat sich der warme Südwind in den klassischen Föhntälern bemerkbar gemacht. Auf der Alpensüdseite war vorerst kaum Bewölkung vorhanden, damit kann von einer hochdruckbestimmten Föhnlage gesprochen werden (Bild 4).
Auf den Karfreitag und Karsamstag verstärkte sich die Föhnströmung, gleichzeitig bildete sich am Alpensüdhang Staubewölkung (Bild 5, 6). Im Tessin war es tagsüber an beiden Tagen weitgehend trocken. Dagegen wurde in der Nacht auf den Samstag am Walliser Alpenhauptkamm zwischen dem Monte Rosa Massiv und dem Nufenenpass Niederschlag registriert, auf der Simplon Südseite fiel Schnee bis gegen 1400 Meter hinab.
Bild 4: Satellitenbild (sichtbarer Kanal) und Radar von Donnerstag, 9. April 2009, 13 UTC.
gross.png, 524 KBBild 5: Satellitenbild (sichtbarer Kanal) und Radar von Freitag, 10. April 2009, 12 UTC.
gross.png, 525 KBBild 6: Satellitenbild (sichtbarer Kanal) und Radar von Samstag, 11. April 2009, 12 UTC.
gross.png, 530 KBBesonderheiten
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, war die Föhnströmung nicht besonders stark. Die maximale Druckdifferenz über den Alpenkamm lag bei etwa 7 Hektopascal. Desweiteren waren auch die Höhenwinde nicht sehr intensiv, der Föhn wurde hauptsächlich durch die Druckdifferenzen in den mittleren Schichten angetrieben.
Föhn im Mittelland
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Bild 7: Windsituation am Samstagabend, 11. April 2009. Windrichtung und Böenspitzen in km/h. Der Föhn reicht ungewöhnlich weit nach Norden (Windrichtung Süd bis Südost). gross.jpg, 324 KBIn der Regel verhindert im Winterhalbjahr der im Mittelland liegende Kaltluftsee den Föhndurchbruch. Dabei kann der Föhn zwar weit nach Norden vorstossen, er gleitet aber auf die bodennahe Kaltluft auf und ist damit nur in den höheren Lagen spürbar. Besonders in den Frühlingsmonaten ist die Atmosphäre aber oft instabil geschichtet, und der meist dünne Kaltluftsee wird von der Sonne im Tagesverlauf ausgeräumt. Damit kann auch eine mässig entwickelte Föhnströmung ungehindert bis ins Flachland vorstossen. Bevorzugt erfolgt der Föhndurchbruch im Flachland im Laufe des Nachmittags, wenn die Aufheizung maximal ist.
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Bild 8: Verlaufsgrafiken der Föhnparameter Lufttemperatur (oben), Luftfeuchte, Böenspitzen und Windrichtung (unten) der Stationen Altdorf/UR (blau) und Kloten (rot). In Altdorf wehte der Föhn durchgehend, in Kloten gab es zwei Föhnphasen (rot eingefärbt). gross.jpg, 121 KB |
Temperaturen
Bild 9: 48-stündige Maximumtemperaturen von Freitag bis Samstag (10./11. April 2009). Die höchsten Werte wurden im Unteraargau, im Raum Basel sowie in Aigle/VD gemessen. Die Tagesmittel lagen 5 bis 8 Grad über dem langjährigen Schnitt.
gross.jpg, 320 KBSicht
Üblichweise herrschen bei Föhn mit klarer und trockener Luft sehr gute Sichtverhältnisse. Im vorliegenden Fall waren die Alpen vom Mittelland aus zwar gut zu erkennen, die Sichtweiten lagen aber im üblichen Rahmen für einen Schönwettertag (Bild 10). Dies ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass der Föhn beispielsweise im Raum Zürich von den Leuten kaum wahrgenommen wurde.
Bild 10: Blick von Oberrieden am Zürichsee in die Glarner und Schwyzer Alpen, am Samstagabend (11. April 2009). Trotz Föhn ist die Sicht leicht getrübt.
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Föhnende
Bei klassischen Föhnlagen erfolgt das Föhnende mit einem Kaltfrontdurchgang aus Westen. Dies war in der vorliegenden Föhnsituation nicht der Fall: die Föhnströmung schlief im Laufe des Ostersonntags langsam ein, und das sonnige Frühlingswetter blieb in der Folge weitgehend erhalten. Die Ursache für dieses untypische Föhnende ist in der wetterbestimmenden Tiefdruckzone zu suchen. Aus ihr hat sich ein Teiltief ins Mittelmeer abgespalten, damit wurden die Druckdifferenzen quer über die Alpen ausgeglichen. Auf der Alpennordseite blieb die trockene Luftmasse erhalten, auch im Süden erfolgte im Tagesverlauf eine Wetterbesserung. Der Ostermontag war schliesslich meist sonnig bei nur noch schwachen Winden in allen Höhen.










