MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

29. April 2009 / Daniel Gerstgrasser

 

Intensiver Niederschlag im Oberwallis und im Tessin

 

Im Zeitraum von Sonntag, 26. April bis am Morgen des Mittwochs, 29. April 2009 sind im Oberwallis und im Tessin teils ergiebige Niederschläge gefallen. Verantwortlich dafür war eine starke süd- bis südöstliche Höhenströmung, welche sehr feuchte und teils auch milde Luft aus dem Mittelmeerraum zu den Alpen führte (Bild 1).

 

NOAA Rückwärtstrajektorien

Bild 1: 36-stündige Rückwärtstrajektorie für den Raum Lugano (Luftmassenherkunft) für verschiedene Höhen. Rot: 1500m, blau: 3000m, grün: 5000m. Details im Text.

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Die für die Starkniederschläge relevanten Luftmassen haben den Mittelmeerraum in relativ geringer Höhe überquert. Über Norditalien wurden die Luft schliesslich in der freien Atmosphäre angehoben (dynamische Hebung) und in der Folge am Alpensüdhang zusätzlich gestaut.

 

Wetterkarte am 27.4.2009 um 14 Uhr

Wetterlage am 27.4.2009 um 14 Uhr

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Ergiebige Niederschläge im Süden (F. Spinedi/G. della Bruna)

In der Zeitspanne von 67 Stunden mit Dauerniederschlägen sind zwischen 150 bis 180 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. Vereinzelt sind Höchstmengen von mehr als 200 Liter im oberen Teil der Verbano- und Maggiatäler sowie im Simplongebiet gemessen worden. Während des grössten Teiles des Ereignisses blieb die Schneefallgrenze zwischen 1800 und 2000 Metern und sank auf 1500 Meter am Dienstagnachmittag (28.4.2009) ab. Am Mittwochmorgen lag 130 cm Neuschnee auf 2000 Metern, und in tiefen Lagen waren Wälder mit bereits grünem Laub von einer dünnen Schicht Neuschnee bedeckt. Trotz der intensiven Niederschläge stieg der Pegel der Flüsse nur wenig an, da ein wesentlicher Teil der Niederschläge in Form von Schnee in den Bergen liegenblieb. Der Pegel Lago Maggiore erreichte allerdings eine maximale Höhe von 194.83 m.

Abgesehen von Morcote, wo eine Schlammlawine grössere Schäden verursachte, sind im Tessin nur geringfügige Überschwemmungen und kleinere Erdrutsche aufgetreten. Grössere Lawinen haben den Talboden einiger Täler erreicht, zum Beispiel im Bedrettotal, wo die Strasse durch Schneemassen unterbrochen wurde. Grössere Schäden und angeschwollene Flüsse (unter anderem der Po) wurden jedoch in Norditalien, vor allem im Piemont und in der Lombardei, gemeldet.

 

Niederschlagssumme vom 26.4. bis 29.4.2009

Niederschlagssumme vom 26.4. bis 29.4.2009

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Radarsumme 72 Stunden

Bild 2: 72-stündige Niederschlagssumme aus den Radardaten (Abschätzung). Die Daten müssen vorsichtig interpretiert werden. Die Region mit Summen von über 200 mm (rot) ist in der Realität wahrscheinlich kleiner als hier dargestellt.

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