Nachdem bereits das erste Septemberwochenende (6.-7.9.08) vielerorts trüb und nass war, (siehe Bericht: 5 Tage Starkregen) fiel nun auch das zweite Wochenende buchstäblich ins Wasser. Grossflächige und zum Teil ergiebige und anhaltende Niederschläge mit tiefer Wolkenbasis dominierten den Samstag in der ganzen Schweiz.
Am meisten Niederschlag fiel mit 65 bis knapp 95 mm vom Maggiatal bis zum Obergoms, im Gotthardgebiet, Rheinwald sowie von der westlichen Zentralschweiz über das Napfgebiet bis in die Region Basel. Aber auch die angrenzenden Regionen der Ostschweiz erhielten verbreitet 50 Liter pro Quadratmeter. Am wenigsten Niederschlag wurde vom Zentralwallis bis zum Waadtland registriert.
Dementsprechend gab es am Samstag nur im Wallis und im Tessin ein paar Minuten Sonne, der Sonntag sah nicht viel besser aus.
So verwundert es nicht, dass die Höchstwerte im Flachland der Alpennordseite bei tiefen 10-15 Grad lagen, im Tessin wurden etwa 18 Grad gemessen.
Grosswetterlage
Gegenstromlage
Mit der einhergehenden Hebung bildeten sich am Alpensüdhang Gewitterzellen, welche sich mit den starken südöstlichen Höhenwinden unter Abschwächung über die Alpen nach Norden verlagerten. Aufgleitvorgänge durch die nördlich der Alpen zugeführte kühlere Luft von Norden her verstärkten dort die Niederschläge jedoch wieder. Da die aus Süden aufgleitende Warmluft labil geschichtet war, konnten sich auch im Norden Gewitter entladen. Eine schematische Darstellung der Gegenstromlage ist in der rechten Spalte dieses Berichts zu finden.
Die MeteoSchweiz betreibt in Payerne einen Windprofiler. Dieses vertikal ausgerichtete Radargerät misst ein Höhenprofil von Windrichtung und Windgeschwindigkeit. In der untenstehenden Abbildung vom 13.09.08 (Verlauf Vormittag) ist sehr gut der Windsprung in 3000 Meter Höhe zu erkennen.
Aussergewöhnliche Regensummen in der Region Basel
In Basel-Binningen wurden vom Samstag, 13.09.08, 6 Uhr bis Sonntag, 14.09.08, 6 Uhr 71.1 mm Regen gemessen. Dieser Wert ist aussergewöhnlich und entspricht einem 30 bis 50-jährigen Ereignis. Es ist die fünfthöchste Tagessumme in der 145-jährigen Messreihe von Basel. In dieser Zeitreihe gab es bisher erst vier Tagessumen (24 Std. Regensummen 06-06 Uhr) mit höheren Werten.
Die bisherigen höchsten Tagessummen wurden in Basel jeweils zwischen Mai und August gemessen. Es ist deshalb anzunehmen, dass mindestens ein Teil dieser Rekordwerte im Einflussbereich von kräftigen Gewittern gemessen wurden. Allerdings wurde am 8. August 2007 ebenfalls im Zusammenhang mit Aufgleitniederschlägen sogar eine Tagessumme von 75.5 mm registriert.
Unterschiedliche Schneefallgrenze
Wegen der markanten Luftmassengrenze über der Schweiz war denn auch die Schneefallgrenze sehr unterschiedlich hoch. Mit Niederschlagsabkühlung sank sie am Samstagmittag im Berner Oberland bereits lokal bis auf 1800 Meter (Lauterbrunnental), während sie in Graubünden in der wärmeren Luft noch auf 3000 Meter Höhe verharrte. Erst in der Nacht auf Sonntag sank sie auch dort von Westen her weiter ab und befand sich am Sonntagmorgen auf etwa 2200 Metern.
Folgende Neuschneemengen wurden am Sonntagmorgen gemessen: Grimsel Hospiz (1980m) 3 cm, Weissfluhjoch (2540m) 9 cm, Säntis (2502m) 1 cm.
Schwierige Niederschlagsprognosen
Nachfolgend ist ein Vergleich von drei aufeinanderfolgenden Modellläufen anhand der 24-stündigen Niederschlagssummen (Samstag 8 Uhr bis Sonntag 8 Uhr) dokumentiert (Hauptniederschlagsereignis). Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie sich die vom Modell vorhergesagten Niederschlagsmengen sowie die räumliche Verteilung innerhalb 12 Stunden ändern können.
Weitere Entwicklung
Mit der Ostverlagerung des Genuatiefs drehen die Winde auch in den höheren Schichten auf Nordost bis Nord. Dadurch lassen die Niederschläge im Süden langsam nach, während im Norden das regnerische Wetter vorerst anhält. Die Zufuhr von noch etwas kühlerer Luft lässt die Schneefallgrenze bis gegen 1500 Meter absinken.
Am Montag bringt Bisenstau vor allem am zentralen und östlichen Alpennordhang weitere schwache Niederschläge.
Erst am Dienstag macht sich auch im Osten langsam der Einfluss eines Skandinavienhochs bemerkbar. Die in der Grundschicht zurückgebliebene Restfeuchtigkeit äussert sich allerdings noch in Form von hochnebelartiger Bewölkung. Die Obergrenze dieser Hochnebeldecke dürfte am Mittwoch weiter absinken und abtrocknen, sodass mit zunehmender Sonneneinstrahlung auch die Temperaturen wieder langsam ansteigen.
Schneebedeckte Alpenpässe



























