Der Tag der Meteorologie steht dieses Jahr unter dem Motto „Wetter, Klima und die Luft, die wir atmen“. Feinstaubbelastung, abnehmende Ozonschicht und ein änderndes Klima lenken die Aufmerksamkeit immer mehr auf eine Langzeitbeobachtung und Überwachung der Atmosphäre. Zu diesem Zweck initiierte die Weltorganisation für Meteorologie WMO vor 20 Jahren das Programm „Globale Überwachung der Atmosphäre“ (Global Atmosphere Watch GAW). In der Schweiz koordiniert das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz die Aktivitäten zu GAW. Mit dem heutigen Tag der Meteorologie 2009 zeigt MeteoSchweiz die Ziele und Erfolge des Schweizer Beitrages zu GAW auf.
Die Schweiz liefert mit ihren weltweit einzigartigen Messstationen wertvolle Datenreihen für das weltumspannende GAW Programm. Die hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch beispielsweise nimmt im globalen Messnetz bestehend aus 25 Stationen eine herausragende Stellung ein, denn aufgrund ihrer Lage ist die Umgebungsluft nur gering mit Schadstoffe belastet – ein optimales Freiluft-Versuchslabor für die Wissenschaft mitten im zentralen Alpenraum auf über 3’500 Meter über Meer. Seit über 20 Jahren messen dort Forscherinnen und Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa, des Paul Scherrer Instituts PSI und verschiedener Hochschulen in Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz kontinuierlich Treibhausgase und Aerosole. Hinzukommen umfassende Spezialmessungen zur Strahlung. „Dank all dieser Messungen versteht die Wissenschaft heute besser, wie sich Schadstoffe über Kontinente hinweg ausbreiten, woher sie kommen und wie sie die Atmosphäre und damit das Klima beeinflussen“, sagt Gerhard Müller, stellvertretender Direktor der MeteoSchweiz und Vorsitzender des Komitees zur Ausarbeitung der internationalen GAW Strategie, „das sind wichtige Grundlagen für die Umsetzung von internationalen Abkommen zum Schutz der Atmosphäre und des Klimas“.
Arosa und Payerne – längste Messreihen zu Ozon
Weitere bedeutende Schweizer Messreihen zur Zusammensetzung der Atmosphäre erfasst MeteoSchweiz in Arosa und Payerne. In Arosa wird seit 1926 das Gesamtozon der Atmosphäre vom Boden aus gemessen. Diese Messung ist weltweit die längste und zugleich eine der wenigen Informationsquellen über die Ozonverteilung vom Boden bis an die Obergrenze der Atmosphäre vor der Zeit der Satellitenbeobachtungen. Die Ozonmessungen in Arosa werden seit 1968 durch Ballonsondierungen in Payerne ergänzt. „Diese Messreihen sind wegen ihrer Länge und hohen Qualität weltweit von Interesse und zeigen die Veränderungen der lebenswichtigen Ozonschicht auf“, betont Gerhard Müller. Gleichzeitig werden bei den Ballonaufstiegen weitere Grössen wie z.B. die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur und Wind bestimmt. Mittels hochmoderner bodengestützter Fernerkundungsgeräte werden die Messungen in der Atmosphäre weiter ergänzt. So gehört Payerne heute zu den weltweit wichtigsten Messstationen für die Atmosphärenbeobachtung.
Schweizer Weltzentren
Die Schweiz betreibt zusätzlich im Auftrag der WMO das Weltstrahlungszentrum zur Kalibration von Strahlungsmessgeräten am Physikalisch-Meteorologischen Observatorium in Davos sowie bei der Empa in Dübendorf das Weltkalibrationszentrum für bodennahes Ozon, Kohlenmonoxid und Methan. Die Empa beherbergt auch das Weltzentrum zur Sicherung der Datenqualität dieser drei Grössen. Die internationalen Zentren in der Schweiz tragen mit ihren Gerätekalibrierungen, Kalibrier-/Eichstandards und Qualitätssicherung wesentlich zum globalen Beobachtungssystem bei.
Neben diesen Aktivitäten im eigenen Land unterstützt die Schweiz seit einigen Jahren regelmässige Ozonsondierungen in Nairobi sowie weitere wichtige klimarelevante Messungen von bodennahen Ozon und Kohlenmonoxid am Mount Kenya. Mit diesem Technologie-Transfer und den Schulungen vor Ort leistet die Schweiz einen Beitrag zum Aufbau und zur Qualitätssteigerung der Atmosphärenmessungen in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Das Schweizer GAW Programm fördert auch nationale Forschungsprojekte. Diese werden momentan für die Jahre 2010-13 neu definiert. Forschungsschwerpunkte bilden Strahlung, Aerosole, Ozon und Wasserdampf.
Weitere Informationen
http://www.meteoschweiz.admin.ch/web/de/klima/klima_international/gaw-ch.html
http://www.wmo.int/pages/index_en.html
http://www.wmo.int/pages/prog/arep/gaw/gaw_home_en.html
Kontakt
Bärbel Zierl, Informationsbeauftragte, MeteoSchweiz, 044 256 93 51
Hintergrundinformationen zur WMO und dem GAW Programm
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN). Sie schafft Grundlagen für die internationale Kooperation bei meteorologischen und hydrologischen Mess- und Beobachtungsnetzen, gewährleistet den Datenaustausch und sorgt für Standardisierungen und Wissenstransfer. Die Schweiz ist Mitglied der WMO und beherbergt auch den Hauptsitz der WMO in Genf. Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz vertritt die Schweiz bei der WMO.
Das „Global Atmosphere Watch“ (GAW) Programm der WMO dient der Überwachung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre. Es hat zum Ziel, die langfristigen Änderungen in der Atmosphäre und seine Einflüsse auf die Umwelt zu dokumentieren und zu verstehen. GAW ist eine wichtige Komponente im globalen Kima-Beobachtungssystem und damit ein Bestandteil der im Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen in Rio de Janeiro 1992 vereinbarten Massnahmen. Auch durch die Unterzeichnung des Wiener Übereinkommens von 1985 zum Schutze der Ozonschicht und von dessen späteren Zusatzprotokollen hat sich die Schweiz verpflichtet, die Wechselwirkungen zwischen der Ozonschicht und den menschlichen Tätigkeiten zu beobachten und zu verstehen. Die Schweiz beteiligt sich gemäss Bundesratsbeschluss von 1994 an diesem Dauerprogramm der WMO.
