Sommer heisst für viele Leute nicht nur Wärme, sondern auch viel Sonnenschein. Idealisiert empfinden wir den Sommer als jene Jahreszeit, in der die Sonne über eine längere Zeit von früh bis spät vom Himmel lacht, Schönwettertage also zur Regel gehören. Doch wie verhält sich unser Sommer wirklich im Vergleich zu dieser Ferienprospekt-Vorstellung? Blickt man in die Witterungs-Aufzeichnungen der letzten 25 Jahre, wird man schnell auf den harten Boden der Realität zurückgeholt.
Was heisst Schönwetter?
Als Schönwettertag definiert MeteoSchweiz, wenn die relative Sonnenscheindauer 80 Prozent oder mehr erreicht. Das heisst, die Sonne darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nur zu einem Fünftel der Zeit von Wolken verdeckt werden.
Sommer erst ab Mitte Juli
Das Beispiel der Messstation Bern zeigt, dass der Sommer auf der Alpennordseite oftmals nur langsam Einzug hält. Im Juni steigt die Häufigkeit von Schönwettertagen zwar von rund 10 Prozent auf etwa 30 bis 40 Prozent (Abb. 1). Dann folgt aber oft ein herber Rückschlag. In den ersten Julitagen liegt die Häufigkeit von Schönwettertagen nur gerade bei rund 20 Prozent. Verbunden ist dieser Rückfall mit einem markanten Temperaturrückgang sowie mit einer erhöhten Niederschlagsbereitschaft. Schneefälle bis auf die Passhöhen sind in diesen Tagen nichts aussergewöhnliches. So richtig in Schwung kommt der Sommer auf der Alpennordseite erst ab der zweiten Julihälfte. Bis Ende Sommer liegt dann die Häufigkeit von Schönwettertagen oft zwischen 30 und 40 Prozent. Das heisst aber, dass hier auch während des Hochsommers Tage mit reduzierter Besonnung deutlich häufiger sind als Schönwettertage.
Abb. 1: Häufigkeit von Schönwetter an den Kalendertagen der Sommermonate Juni bis August an der Messstation Bern in der Messperiode 1984 bis 2008.
Mehr Sommer im Tessin
Mehr Schönwettertage bietet bekannterweise das Tessin. Hier erreicht die Schönwetterhäufigkeit im Juni bereits die Hochsommer-Werte der Nordseite. Aber auch im Tessin gehört der Rückschlag in den ersten Julitagen zum langjährigen Witterungsverlauf, wenn auch nur in abgeschwächter Form. Ab Mitte Juli liefert dann der Tessiner Hochsommer Schönwettertage mit einer Häufigkeit zwischen etwa 40 und 60 Prozent. Im Tessin sind also im Hochsommer Schönwettertage und Tage mit reduzierter Besonnung etwa gleich häufig.
Abb. 2: Häufigkeit von Schönwetter an den Kalendertagen der Sommermonate Juni bis August an der Messstation Lugano in der Messperiode 1984 bis 2008.